Geschichte

Dirigenten.(die Jahreszahl bezeichnet den Tätigkeitsbeginn):
1963 . . Martin Weimann, Kantor in Alpirsbach
1965 . . Christoph Hoffmann, Musiklehrer am Gymnasium Oberndorf
1969 . . Gerhard Heß, Kantor in Alpirsbach
1972 . . Eckhard Weyand, Kantor in Reutlingen
1974 . . Wilhelm Ebert, Kantor in Alpirsbach
1994 . . Alfred Gemsa, Violinlehrer an der Musikschule Oberndorf
2001 . . Peter Hirsch, Dekanatskirchenmusiker in Schwenningen

. .
50 Jahre Collegium Musicum e.V. Oberndorf am Neckar, 1963 – 2013
(von Claudia Altenburger)

Der Feuilletonjournalist Dr. Werner P. Heyd brachte es 1988 für sich auf den Punkt: „Diese Musizierkunst bietet mir viel mehr als die unterkühlten, unnatürlichen Produktionen aus elektronischen Maschinen.“ Er würdigte das Collegium Musicum Oberndorf als musikalischen Verein mit geschichtlichem Hintergrund, in der Tradition der Collegia Musica stehend und als ein echtes Liebhaberorchester im klassischen Sinn.

Das war zum 25. Geburtstag des Collegium Musicum am 12. November 1988. Und es hat sich auch zum 50. Geburtstag des Collegium Musicum daran nichts geändert.

Am 21. September 1963 fand im damals neu erbauten Bonhoefferhaus in Oberndorf das erste öffentliche Konzert statt. Veranstaltet wurde es unter der Regie des damaligen Volksbildungswerkes und mit der Ankündigung in der Tagespresse: „Ein Konzert mit 18 Liebhabern“.

Die Idee zur Gründung eines Kammerorchesters kam den ersten Aktiven seinerzeit bei den „Konzerten des Aistaiger Laienorchesters in Aistaig und Alpirsbach“ im Spätherbst 1962. Dabei muss vor allem der Name von Erich Übelhör genannt werden, die Triebkraft des Orchesters von Anfang an, durch dessen Initiative ein recht ansehnliches Laienorchester entstand. Geprobt wurde damals im Wohnzimmer der Familie Erich Übelhör.

Vier Paragraphen der Satzung seien hier zitiert. § 2 – Zweck des Vereins ist die Pflege alter und neuer Musik, § 3 – Die künstlerische Leitung liegt beim Dirigenten, § 9 – Die Mitwirkung der aktiven Mitglieder wird in der Regel nicht vergütet, § 9/3 – Ein Ausschuss beschließt mit dem Dirigenten das Konzertprogramm.

Als erster Dirigent des Collegium Musicum Oberndorf wurde der Alpirsbacher Kantor Martin Weimann gewonnen, der laut damaliger Rezensionen, „durch sein Können und seine Musizierfreude der kleinen Schar nicht nur Leiter, sondern auch Lehrmeister war“.

Christoph Hoffmann, damals Musiklehrer am Gymnasium Oberndorf, löste ihn 1965 ab und dirigierte das Laienorchester bis 1969, wonach wegen Erkrankung Hoffmanns, wiederum ein Alpirsbacher Kantor, Gerhard Heß, bis 1971 als Dirigent verpflichtet wurde. Im Frühjahr 1972 wurde der Reutlinger Kantor Ekkehard Weyandt Dirigent. Während all dieser Jahre stießen zum bewährten Stamm der Musiker, und das waren bei Gründung des Orchesters u. a. Erich Übelhör, Werner und Reinhard Heinzel, Werner Baldenhofer und Arnold Schmalz, weitere Mitglieder.

Der nächste Wechsel in der Stabführung erfolgte am 7. Mai 1974, als Kantor Wilhelm Ebert aus Alpirsbach als Dirigent des Orchesters verpflichtet werden konnte. Eine lange und musikalisch sehr fruchtbare Zeit begann. Wilhelm Ebert hat 19 Jahre lang dieses Orchester geprägt, musikalisch gefordert, das Collegium Musicum groß und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Unter seiner Regie wurden zwei Konzerte in Oberndorf jährlich aufgeführt. So war und ist die Matinee im Frühsommer ein fester und vom Publikum geliebter Konzerttermin, der meistens im Klosterhof der Augustiner-Klosterkirche in Oberndorf bei schönem Wetter mit heiteren Musikstücken durchgeführt wird, begleitet vom Gezwitscher der dort fliegenden Schwalben, was diesem musikalischen Termin immer einen frohen und charmanten Anstrich verleiht.

Das Jahreskonzert im November ist dann den größeren Sinfonien, meist mit geladenen Solisten, gewidmet so z. B. dem Kölner Klaviertrio, Hermann Sauter (Trompete), Birgit Wagner-Ruh (Gesang), Ingo Goritzki (Oboe), Martin Loritz (Klavier), Mitgliedern der Reutlinger Philharmonie, Roland Krüger (Klavier), Eugen Frosch (Klavier), Helga Janot-Hoffmann (Oboe).

Als Wilhelm Ebert im Dezember 1993 sein Amt als Dirigent niederlegte, wurde sein Nachfolger 1994 Alfred Gemsa, Geigenlehrer an der Karg-Elert-Musikschule Oberndorf a. N. Unter seiner künstlerischen Leitung wurde jede Probe auch zur Unterrichtsstunde, was vom Orchester hoch gewürdigt wurde, viele „Geigentricks“ wurden vermittelt, viele technische Raffinessen wurden von Alfred Gemsa in anschaulicher Weise dem Orchester nähergebracht. Der Schwarzwälder Bote schrieb 1995 anlässlich einer Matinee: „Alfred Gemsa hatte das Laienensemble gut im Griff. Man hört, wie seine pflegende Hand immer schönere Früchte trägt. Der Klang präsentierte sich von Nummer zu Nummer exakter. Selbst ein Pizzicato, sonst der Albtraum aller Dirigenten, wird inzwischen zu einem erfreulichen Erlebnis der Präzision.“ 2001 verließ Alfred Gemsa das Kammerorchester und sein Nachfolger wurde Peter Hirsch, Dekanatskirchenmusiker aus Schwenningen.

Seit nunmehr 12 Jahren ist Peter Hirsch der künstlerische Leiter des Orchesters. Peter Hirsch versteht es immer wieder, Musik weniger bekannter mit Werken bekannter Komponisten zu kombinieren und sinnvoll zu verknüpfen, ein Spannungsbogen der besonderen Art: „ein musikalischer Schatzgräber und -finder. Hirsch erwies sich mit klarer Zeichensprache als souveräner Leiter“, so der Schwarzwälder Bote.

Durch seine Tätigkeit als Kirchenmusiker ist das Collegium Musicum häufig in Schwenningen mit dem dortigen Kirchenchor zu hören. Weitere Auftrittsorte sind seit Jahren Konzerte mit den jeweiligen Kirchenchören in Loßburg, Seedorf, Dunningen, Sulz, Weiden.

In den vergangenen 50 Jahren war die Arbeit des Vorstands daher gut zu erledigen, da alle Mitglieder die gleichen musikalischen Interessen pflegen und das Orchester mit jedem Dirigenten einen ganz besonderen Glücksgriff tat. Sieben Dirigenten waren während dieser 50 Jahre am Pult tätig und jeder einzelne brachte neue Ideen, prägte das Orchester mit seiner Handschrift.

Erich Übelhör, Ehrenvorsitzender und der „Macher“ des Collegium Musicum, war der erste 1. Vorstand in der 50-jährigen Geschichte, gefolgt von Claudia Altenburger, Martina Holbein, und seit 1999 übt dieses Amt Werner Heinzel aus, flankiert durch weitere zuverlässige Vorstandsmitglieder.

Das Kammerorchester Collegium Musicum kann sich seit Jahrzehnten auf seine Mitglieder stützen. War das Gründungsmitglied Reinhard Heinzel jahrelang der Konzertmeister, ist dies nun sein Zwillingsbruder Werner Heinzel seit 1991, ebenfalls Gründungsmitglied. Das solistische Können beider Geiger trägt das Orchester, sie führten und führen das Ensemble mit technischer Bravour und interpretatorischer Ausdruckskraft. Ebenso führte jahrzehntelang Erich Übelhör die Bratschen an, gekonnt und verlässlich. Desgleichen ein Könner und Gründungsmitglied ist Arnold Schmalz, der die sogenannten tiefen Stimmen des Orchesters als 1. Cellist meisterlich und ruhig führt. Ebenfalls ein Gründungsmitglied und in der Bratsche ein Fels in der Brandung ist Werner Baldenhofer.

Erstaunlich bei diesem Kammerorchester ist die Treue und Beständigkeit der weiteren Mitglieder, die jede Woche u.a. von Baiersbronn, Freudenstadt, Alpirsbach, Schiltach, Schwenningen und Überlingen nach Oberndorf zur Probe kommen, es ist ein harmonisches und homogenes Orchester, dessen Mitglieder sich die Treue hielten und halten, musikalisch, freundschaftlich und menschlich.

Und immer wieder kommen neue interessierte Mitglieder hinzu. Aber natürlich merkt man auch hier, dass das Interesse des Erlernens an einem Streichinstrument in den vergangenen Jahren abgenommen hat, dass es an Nachwuchs ein wenig mangelt. Deshalb sind die gemeinsamen Auftritte mit Musikschülern der Karg-Elert-Musikschule für das Kammerorchester auch besonders wichtig und alle Teilnehmer, ob Jung oder Alt an einem Pult, machen begeistert mit.

50 Jahre Collegium Musicum e. V. Oberndorf a. N. – wer hätte dies sich einst im Wohnzimmer in Aistaig vorstellen können…

Die Gründungsmitglieder des Collegium Musicum Oberndorf Reinhard Heinzel, Arnold Schmalz, Werner Heinzel (vorne von links), Werner Baldenhofer und Erich Übelhör (hinten von links) mit dem Oberndorfer Bürgermeister Hermann Acker sowie der stellvertretenden Vorsitzenden Ulrike Daniels beim Jubiläumskonzert am 9.11.2013 (Foto: Tina Eberhardt).

Die Gründungsmitglieder des Collegium Musicum Oberndorf Reinhard Heinzel, Arnold Schmalz, Werner Heinzel (vorne von links), Werner Baldenhofer und Erich Übelhör (hinten von links) mit dem Oberndorfer Bürgermeister Hermann Acker sowie der stellvertretenden Vorsitzenden Ulrike Daniels beim Jubiläumskonzert am 9.11.2013 (Foto: Tina Eberhardt).

Werbeanzeigen